Future of Finance

Kreditorenbuchhaltung: Von der Kostenstelle zur strategischen Funktion

Guido Torrini
von Guido Torrini
Juni 01, 2020
Lesezeit: 5 Minuten

Die Kreditorenbuchhaltung, auch โ€œAccounts Payableโ€ genannt, ist seit jeher als reine Kostenstelle verschrien: eine Backoffice-Funktion, deren ausschlieรŸliche Aufgabe die schnelle und kostengรผnstige Rechnungsbearbeitung ist. Und wie alle Backoffice-Funktionen wird auch die Kreditorenbuchhaltung besonders hรคufig konsolidiert, ausgelagert oder ins Ausland verlegt. Optimierungs-Initiativen beschrรคnken sich meist darauf, bessere Ergebnisse mit mehr oder weniger denselben Ressourcen zu erzielen.

Sie mรถgen vielleicht denken, die Kreditorenbuchhaltung ist weit davon entfernt, strategischen Mehrwert zu liefern. Sie deshalb zu ignorieren, wรคre aber ein Fehler. Erstens, weil Sie dann nicht wissen, wo die Schwachstellen der Abteilung liegen. Und zweitens, weil sie so die Chance vergeben, mit Accounts Payable die strategischen Zielen Ihres Unternehmens zu erreichen.

Es wird Zeit, die Kreditorenbuchhaltung strategisch zu betrachten

Es versteht sich von selbst, dass die Kreditorenbuchhaltung fรผr jedes Unternehmen wichtig ist, schlieรŸlich kontrolliert sie ihren Cashflow. Und doch wird sie oft unterschรคtzt und nicht nur rรคumlich (etwa per Auslagerung) sondern auch strategisch vom restlichen Unternehmen getrennt.

Dabei ist gerade die Kreditorenbuchhaltung ist ein besonders guter Ansatzpunkt, um das Working Capital schnell zu optimieren. Sie ist die ideale Cash-Quelle, die Unternehmen nicht ungenutzt lassen sollten. Sonst schaden sie sich nur selbst. Das gilt umso mehr in unsicheren und turbulenten Zeiten wie diesen, in denen Liquiditรคt und Liquiditรคtssicherung das oberste Gebot sind.

Wird die Kreditorenbuchhaltung richtig gefรผhrt, kann sich das aber nicht nur รคuรŸerst positiv auf das Working Capital auswirken, sondern auch auf Gewinnmargen und Verhandlungen mit Zulieferern. Dabei kรถnnen Sie Ihren Schwerpunkt jederzeit wahlweise auf Profitabilitรคt (durch die Ausnutzung von Skonto) oder Liquiditรคt (durch lรคngere Zahlungsfristen) setzen โ€“ je nachdem, welches strategische Ziel Ihr Unternehmen gerade verfolgt.

Warum sich also darauf beschrรคnken, durch Einsparungsrunden auch noch den letzten Cent aus der Kreditorenbuchhaltung zu pressen? Wenn sich alles nur um Schnelligkeit und Bearbeitungskosten dreht, werden nicht nur Ihre Gewinne immer weiter schwinden, Sie verlieren auch Ihre strategischen Ziele aus dem Blick.

Warum โ€žgeringere Kosten pro Rechnungโ€œ nicht die oberste Prioritรคt sein sollte

Schnell, gรผnstig, automatisch โ€“ das sind grundsรคtzlich keine schlechten KPIs. Sie haben durchaus ihre Berechtigung. Doch niedrigere Bearbeitungskosten sind kein geeigneter MaรŸstab, wenn man das Unternehmen als vernetztes ร–kosystem verstehen will.

Lautet das Ziel, Rechnungen so schnell und kostengรผnstig wie mรถglich zu verarbeiten, wird genau dies das Ergebnis sein. Die Folge? Doppelzahlungen, frรผhzeitige Zahlungen, verlorene Skonti โ€“ allesamt komplexere Kennzahlen, die oft genaueres Hinschauen erfordern โ€“ fallen auรŸen vor. Wird ausschlieรŸlich auf Produktivitรคt optimiert, bleiben andere Ineffizienzen weiter bestehen.

Um die Abteilung aber flexibler zu fรผhren, mรผssen Sie die operative Realitรคt der Kreditorenbuchhaltung mit den รผbergeordneten strategischen Zielen verknรผpfen.

Sie mรผssen auf auf mehreren Ebenen optimieren, anstatt nur die offensichtlichste in Angriff zu nehmen.

So optimierung Sie auf mehrere Ziele

Hier kommt nun Technologie ins Spiel. In der Kreditorenbuchhaltung geht es seit jeher darum, Rechnungen zu erfassen und zu begleichen. Doch es wird Zeit, diesen Prozess smarter zu gestalten, und zwar mithilfe Ihrer verfรผgbaren Daten.

Bislang waren die Ablรคufe vieler Unternehmen auf eine rein operative Dimension beschrรคnkt, weil sie nur mit ihren ERPs arbeiten. Doch mit Hilfe eines intelligenten Systems, dass Analysen, geschรคftliche Zusammenhรคnge, Automatisierung und kรผnstliche Intelligenz miteinander verbindet, kรถnnen Sie eine mehrdimensionale, objektive Funktion schaffen. So handeln Sie zugleich schnell und smart, produktiv und strategisch.

Ein mehrdimensionales Modell ermรถglicht es, die Arbeit der Kreditorenbuchhaltung an die Unternehmensziele anzupassen. So kรถnnen Sie etwa Rechnungen frรผhzeitig bezahlen und so Skonti maximal ausschรถpfen. Oder Sie priorisieren fristgerechte Zahlungen (weder zu frรผh noch zu spรคt, sondern genau zum richtigen Zeitpunkt), falls Ihnen Liquiditรคt gerade wichtiger ist. Vermeiden Sie doppelte Rechnungen, und optimieren Sie Ihre Kosten fortlaufend โ€“ immer in Hinblick auf Ihre Unternehmensziele.

Anbruch einer neuen ร„ra fรผr die Kreditorenbuchhaltung

Keine Frage, jeder Finanzleiter trรคumt wohl davon, mit Hilfe der Kreditorenbuchhaltung den Working Capital-Bedarf seines Unternehmens zu decken.

Bislang fehlte es jedoch an Technologien und Metadaten, um Zahlungen an den รผbergeordneten Zielen (und umgekehrt) auszurichten. Deshalb hat man sich auf die Dinge konzentriert, die man beeinflussen konnte: eine mรถglichst schnelle und kostengรผnstige Rechnungsbearbeitung.

Doch die Technologie ist jetzt da โ€“ und damit eine neue ร„ra der Kreditorenbuchhaltung. Bringen Sie die tรคgliche Arbeit mit den strategischen Unternehmenszielen in Einklang. Nehmen Sie Abschied von der Kreditorenbuchhaltung als abgelegenes Eiland (zumindest metaphorisch).

Wenn Sie Ihre Kreditorenbuchhaltung ausschlieรŸlich daran messen, wie schnell und kostengรผnstig sie Rechnungen, versรคumen Sie die Mรถglichkeit, echte Mehrwerte zu liefern. Heute kรถnnen wir endlich รผber die reine Kostenoptimierung hinausgehen und die Qualitรคt der Bearbeitung in den Blick nehmen: indem doppelte Rechnungen automatisch erkannt und automatisch die besten Zahlungsbedingungen ausgenutzt werden. So kรถnnen wir Profitabilitรคt und Liquiditรคt ganz nach Bedarf optimieren. Und dazu brauchen wir keineswegs ein kompliziertes externes Lieferantenportal.

CFOs und ihre Mitarbeiter erhalten ein ganzheitliches, intelligentes Tool, das KPI-Optimierung mit echten strategischen Ergebnissen verknรผpft. So kann die Kreditorenbuchhaltung jeden Tag dazu beitragen, die รผbergeordneten Ziele zu erreichen.

Indem wir in geeignete Technologien investieren, kรถnnen wir Accounts Payable als einen der wichtigsten Ansatzpunkte zur schnellen Optimierung des Working Capital steuern.

Das ist keine graue Theorie, sondern schon heute mรถglich.

Denken Sie die Kreditorenbuchhaltung neu. Entdecken Sie eine intelligentere Strategie fรผr Ihre Zahlungen.

Guido Torrini
Guido Torrini
Chief Financial Officer

Guido Torrini is the Chief Financial Officer at Celonis, the market leader in enterprise performance acceleration software. Prior to joining Celonis, he served as CFO at Gympass where he helped scale the business beyond the $1B valuation, expanding the operations in Europe and the US. Before that, he led Grouponโ€™s Global Commercial Finance teams through significant hyper growth. Guido began his career with Cisco and Dell, where he covered a variety of Finance and Accounting roles across multiple countries in both developed and emerging markets.

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